Inhalte des Trauma-Curriculum-Hannover

Das Trauma-Curriculum-Hannover bietet Ihnen eine Weiterbildung in Psychotraumatologie für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
in 7 Modulen nach den Richtlinien der DeGPT.

Die Module bauen inhaltlich aufeinander auf, es können aber auch einzelne Seminare belegt werden, soweit Plätze frei sind.

Die Arbeit in den einzelnen Seminaren versteht sich praxisorientiert mit Selbsterfahrungsanteilen, Videodemonstrationen, Rollenspielen und Livearbeit mit Patientinnen und Patienten und sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Eigene Falldarstellungen können, soweit Zeit zur Verfügung steht, eingebracht werden.

 

Die Inhalte der einzelnen Module:

Modul 1: Theoretische Grundlagen 24 UE
Geschichte der Psychotraumatologie
Entwicklungsneurobiologie, Traumagedächtnis
bindungstheoretische Grundlagen, entwicklungspsychologische Aspekte
dissoziative Störungsbilder
Überblick über die psychotherapeutischen Verfahren des Curriculums
Einbezug von Eltern, Familie und sozialen Bezugssystemen
Beziehungsgestaltung zu traumatisierten Kindern
traumaspezifische Diagnostik
altersangepasste Diagnostik
aktueller Stand der Psychotherapieforschung im Bereich Trauma bei Kindern und Jugendlichen
spezifische Traumatisierungen und Auswirkungen auf Kind und Familie
Verhinderung erneuter Viktimisierung
relevante juristische Grundkenntnisse

Da wir großen Wert auf die Vernetzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer legen, steht zu Beginn dieses Moduls das Kennenlernen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer untereinander im Vordergrund, eine Einführung in die zum Einsatz kommenden Techniken des Curriculums und deren Grundlagen bildet einen weiteren Schwerpunkt.

Im Rahmen der beschriebenen inhaltlichen Themen wird eine Fachanwältin für Familienrecht eine Einführung in Rechtsgrundlagen (Opfer-, Zivil- und Strafrecht, Kinder- und Jugendschutzgesetz) sowie Maßnahmen zur Herstellung von äußerer Sicherheit für die Opfer geben.

 

Modul 2: Entwicklungsangepasste Techniken zur Stabilisierung, 16 UE
Affektregulation und Ressourcenentwicklung

imaginative Techniken
Techniken aus der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT)
traumafokussierte Kognitiv-Behaviorale Therapie

Bei diesem Modul werden zunächst imaginative Techniken aus der Psychodynamisch Imaginativen Trauma Therapie nach Reddemann und Krüger und hypnotherapeutische Techniken, angepasst an das Alter der Betroffenen, vorgestellt.

Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Techniken der Dialektisch-Behavioralen Therapie, erprobt in der Therapie von PatientInnen mit Borderline-Problematik, angepasst für die Nutzung bei PTBS und anderen Traumafolgestörungen. Ebenfalls kommen Stabilisierungstechniken der Energetischen Psychotherapie nach Fred Gallo zum Einsatz.

Ressourcenorientierte Techniken der Verhaltenstherapie bilden den Abschluss des Moduls, das methodisch durch intensive Selbsterfahrung und Selbsterprobung der einzelnen Techniken durch die Teilenehmerinnen und Teilnehmer gekennzeichnet ist.

 

Modul 3: Überblick über die Behandlung akuter Traumatisierungen 8 UE
und Krisenintervention

Differenzierung von Notfallversorgung, Krisenintervention, Psychotherapie
Phasenverlauf und Erscheinungsbilder akuter Traumatisierungen
traumaspezifische Krisenintervention
Unterstützung natürlicher Verarbeitungsprozesse
Screeningverfahren akuter Traumafolgestörungen
Verhinderung von Folgetraumatisierungen
kritischer Einsatz von Akutinterventionen
Informationen zu existierenden Manualen

In diesem Tagesseminar werden Grundlagen der Versorgung akut traumatisierter Kinder und Jugendlicher gelehrt, mögliche Interventionen vorgestellt und mit den Teilnehmern und Teilnehmerinnen eingeübt. Grundlage sind folgende Verfahren: traumafokussierte Kognitiv Behaviorale Therapie, EMDR sowie PITT-KJ.

 

Modul 4: Behandlung einfacher (non-komplexer) PTBS 32 UE
bei Kindern und Jugendlichen

Teil 1: Traumafokussierte Kognitiv Behaviorale Therapie 16 UE
für Kinder und Jugendliche

Auswirkungen von Traumata auf Opfer und Angehörige
traumafokussierte Kognitiv Behaviorale Therapie und die Rolle von Stabilisierungstechniken
Komponenten der TF-KVT für Kinder und Jugendliche nach Cohen, Manarino und Deblinger
Psychoedukation; Elternfertigkeiten trainieren; Entspannung und Stabilisierung; Affektmodulation; kognitive Verarbeitung
Traumanarrative entwickeln und Arbeit mit Traumanarrativen
kognitives Bewältigen und Durcharbeiten
In-vivo-Konfrontation; gemeinsame Familiensitzungen
Arbeit mit dissoziativen Störungsbildern

im Überblick:
Arbeit mit traumaassoziierten Schemata/Ego-States
Behandlung von Typ-1-Traumata nach dem IRRT-Modell (Schmucker 2008/2014)

Der erste Teil des Moduls 4 stellt die Techniken der traumafokussierten Kognitiv-Behavioralen Therapie vor. Es werden die spezifischen Interventionen vorgestellt, mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eingeübt sowie in Videodemonstration und Livearbeit mit Betroffenen erlebbar gemacht.

Der Umgang mit Dissoziation und Ego-States wird mithilfe von Videobeispielen dargestellt und verdeutlicht. Fallbeispiele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer können exemplarisch dargestellt werden.

Teil 2: EMDR mit Kindern und Jugendlichen 16 UE

Teil 2 des Moduls4, das EMDR-Seminar, entspricht dem Seminar I des dreiteiligen EMDR-Kinder- Curriculum, das zur Zertifizierung als EMDR-KindertherapeutIn (Fachverband EMDRIA Deutschland) führt. Vor diesem Hintergrund ist die Absolvierung eines, von dem Fachverband EMDRIA Deutschland anerkannten Einführungsseminar (einschließlich Praxistag) Vorrausetzung zur Teilnahme.

In dem Seminar werden die theoretischen Grundlagen von EMDR mit Kindern und Jugendlichen in ihrem jeweiligen Bezugspersonensystem vermittelt:

  • Traumaspezifische Anamnese, Diagnostik, Testverfahren (orientiert am Alter des Kindes)
  • EMDR in der Stabilisierung und Ressourcenentwicklung
  • Die 8 Phasen der EMDR-Behandlung bei Kindern und Jugendlichen
  • Anwendung des EMDR-Protokolls (Ablaufschema) an das jeweilige Kindesalter adaptiert
  • Erlernen der CIPOS- Technik
  • EMDR-Behandlung bei Monotrauma und Akuttrauma (non-komplexe Traumatisierung), PTBS
  • EMDR-Behandlungsplanung

Das Seminar vermittelt praxisnah die EMDR-Behandlung bei Kindern und Jugendlichen. In Kleingruppen werden an Hand von Kasuistik das, an das Kindesalter adaptierte EMDR-Ablaufschema sowie Techniken zum Ressourcenaufbau geübt. Mit Videobeispielen werden Möglichkeiten zur EMDR-Behandlung aufgezeigt.

 

Modul 5: Behandlung von chronifizierter PTBS mit komplexer     32 UE
komorbider Symptomatik bei Kindern und Jugendlichen

Teil 1: Entwicklungsangepasste traumafokussierte kognitive 
             Verhaltenstherapie (E-KVT)                                                             16 UE

Behandlung von komplexen Traumafolgestörungen
Motivationsaufbau
Emotionsregulation mit Methoden der DBT, an Jugendliche angepasst zur Modulation dysfunktionalen Verhaltens wie SVV
Traumaexposition mit Cognitive Processing Therapy (CPT; Resick et al. 2008)
Impact Statements
schriftliche Traumakonfrontation mit Narrativ
kognitive Umstrukturierung:
Sicherheit, Intimität, Vertrauen, Kontrolle, Selbstwert
Problemlösungsansätze

Auf der Grundlage der Cognitive Processing Therapy nach Resick et al. wird im ersten Teil des Moduls 5 eine an Jugendliche angepasste Form der Arbeit mit traumafokussierten Methoden der Verhaltenstherapie (E-KVT nach Rosner, Steil, Matulis) gelehrt. Es wird speziell auf Interventionsformen bei komplexer Traumatisierung in Videodemonstration, Praxisbeispielen sowie Rollenspielen eingegangen. Die kognitive Arbeit steht neben der Traumaexposition durch Narrative im Vordergrund dieses Seminars.

Teil 2: Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie:

               spezielle Techniken bei Kindern und Jugendlichen                   8 UE

Arbeit mit traumaassoziierten Schemata / Ego – States

Teil 3: Psychodynamisch Imaginative Trauma Therapie (PITT-KID)     8 UE

Überblick über das Verfahren mit seinen spezifischen Phasen
Vertiefung: Arbeit mit dem Inneren Kind und anderen Ego-States

In Teil 3 des Moduls 5 werden die Grundlagen der PITT-KJ nach Reddemann und Krüger sowie vertiefend die Arbeit mit Ego-States vorgestellt.

Speziell die Arbeit mit komplex traumatisierten Kindern und Jugendlichen profitiert vom Einsatz von Ego-State-Techniken.

Teil 3 (Kurs 2018/19): Arbeit mit Traumaerzählgeschichten

Ziele des Seminars sind die Behandlung von komplextraumatisierten Kindern und Jugendlichen mit Narrativen als Traumaerzählgeschichten, die jeweils speziell auf das Alter der Patientinnen zugeschnitten sind und auch im vorsprachlichen Bereich eingesetzt werden können.

Weitere Themen sind Aufbau der Narrative, Distanzierungselemente, Arbeit an Triggern, Fokussierung des aktuellen Erlebens und weitere Schwerpunkte nach Bedarf der Teilnehmer.

Der Einsatz von Therapievideos unterstützt den Transfer der Inhalte in den Alltag der therapeutischen Arbeit der Teilnehmer.

 

Modul 6: Themenzentrierte Selbsterfahrung 8 UE

Umgang mit eigenen Ressourcen
Möglichkeiten der Abgrenzung
sekundäre Traumatisierung und Prävention

Das Modul 6 soll die Sensibilität der Teilnehmerinnen und Teilnehmer für eigene therapiebegleitende Prozesse sowie die Möglichkeit, Grenzen zu setzen und sich abzugrenzen, verbessern.

Das Seminar wird anhand konkreter Falldarstellungen der und/oder eigener belastender Ereignisse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer durchgeführt, Ressourcenarbeit wird in Selbsterfahrung erlebbar gemacht.

 

Modul 7: Supervision 20 UE
davon 4 UE in Einzelsupervision auf Wunsch

3 supervidierte und mit Videoaufzeichnung jeweils einer Trauma-Expositionssitzung dokumentierte Fälle

Für die Arbeit mit der EMDR – Methode ist das Belegen des Einführungsseminars beim EMDR-Institut Deutschland in Köln erforderlich. Das Seminar sollte vor dem ersten EMDR – Seminar des jeweiligen Curriculums besucht worden sein, um die Methode nutzen zu können.
Der Preis für dieses Seminar ist nicht im Preis des Curriculums enthalten.

Für die Zertifizierung durch die DeGPT mit dem Zertifikat „Spezielle Psychotraumatherapie mit Kindern und Jugendlichen (DeGPT)“ ist die Approbation , das Absolvieren der vorgeschriebenen Module sowie die Mitgliedschaft in der DeGPT erforderlich.